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	<description>Weisheit, mit Löffeln gefressen</description>
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		<title>Ein Loblied von Eis und Feuer: Das Kartenspiel</title>
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		<pubDate>Sat, 29 Oct 2011 09:02:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[»Magic: The Gathering« ist beinahe zum Synonym für Sammelkartenspiele geworden und hat nicht unwesentlich zu deren schlechtem Ruf beigetragen. Pickelige Nerds, die hunderte von Euro im Monat für randomisierte Boosterpacks ausgeben, immer getrieben von der Suche nach der einen seltenen &#8230; <a href="http://kellermensch.de/2011/10/29/ein-loblied-von-eis-und-feuer-das-kartenspiel/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter" title="AGoT LCG" src="http://www.kellermensch.de/wp-content/uploads/agot_lcg.jpg" alt="" width="640" height="246" />»Magic: The Gathering« ist beinahe zum Synonym für Sammelkartenspiele geworden und hat nicht unwesentlich zu deren schlechtem Ruf beigetragen. Pickelige Nerds, die hunderte von Euro im Monat für randomisierte Boosterpacks ausgeben, immer getrieben von der Suche nach der einen seltenen Karte – das gängige Klischee des »Magic«-Spielers ist natürlich nicht universell gültig, birgt aber ein Körnchen Wahrheit in sich: die zufällige Kartenverteilung in den Nachschubpäckchen sorgt für eine Ungleichheit beim Spielen und widerspricht damit dem fundamentalen Gedanken der kompetitiven Chancengleichheit.<br />
Als Platzhirsch mit einer seit fast 20 Jahren währenden Tradition ist »Magic« immer noch die unangefochtene Nummer 1, aber  in jüngster Zeit gibt es neue Kartenspiele, die das angestaubte Genre der Sammelkartenspiele neu beleben wollen und dabei sogar mit dem ehernen Prinzip der Zufallskartenpacks brechen. Der US-Spielegigant »Fantasy Flight Games« hat sich klugerweise die »A Song of Ice and Fire«-Lizenz gesichert und für ein Kartenspiel genutzt, zu dessen frischen, innovativen Ideen »Magic« im Vergleich wie ein alter Greis mit Rollator wirkt.</p>
<p><span id="more-149"></span>»A Game of Thrones: The Living Card Game« deutet im sperrigen Titel bereits an, dass es mit der Tradition des »Nanu-was-bekomme-ich-diesmal-wohl-für-Karten?« bricht. In jedem der monatlich erscheinenden Ergänzungspäckchen sind stets dieselben Karten enthalten; einmal gekauft ist man daher im Besitz sämtlicher neuer Karten, ohne dass man wie bei »Magic« im Laufe der Zeit den Gegenwert eines Mittelklassewagens versilbern muss, um tatsächlich aus der Vielfalt aller verfügbaren Karten schöpfen zu können.</p>
<p>Aber worum geht es eigentlich? Jeder Spieler steuert eines von mittlerweile sechs Häusern in Martins Fantasywelt Westeros. Jede Karte kann entweder eine Länderei, einen Charakter (oder eine Armee), ein Ereignis oder einen Anhang für eine bestehende Karte darstellen. Mittels goldproduzierender Ländereien bezahlt man Charaktere, die sich im Laufe des Spieles in bis zu drei verschiedenen Duellen mit dem Gefolge des Gegners messen. Je erfolgreicher man dabei ist, desto mehr Siegpunkte verdient man, hortet jemand 15 dieser Punkte ist das Spiel zuende. So weit, so simpel. Das Spiel wird aber nicht nur dadurch interessant, dass jede der Karten mehr oder minder komplizierte und miteinander verwobene Spezialeffekte besitzt, sondern dass es prinzipiell noch ein weiteres Spiel gibt: das sogenannte Deckbuilding. Mit 60 oder mehr Karten darf man spielen, die Zusammensetzung bleibt einem aber komplett selbst überlassen. Aus den mehreren tausend verfügbaren Karten stellt man sich also sein ganz persönliches Set zusammen, versucht Synergien zu schaffen, Kombinationen zu ermöglichen und verrennt sich dabei meistens ganz fürchterlich, baut zehnmal um, um am Ende schließlich nach einem Dutzend Partien dieses eine Deck gebaut zu haben, dass tatsächlich als Einheit funktioniert.</p>
<p>Es sind diese vielfältigen Möglichkeiten und der stetige Strom an neuen Karten, die das Spiel und das Meta-Spiel immer frisch halten und auch nach der hundertsten Partie dazu einladen, neue Möglichkeiten zu erforschen und vielleicht doch nochmal dieses eine Deck zu bauen, zu dem man schon lange eine Idee hatte.</p>
<p>Dazu kommt, dass die Lizenz hier nicht nur als schnödes Mittel der Profitgier an ein bestehendes Spiel gekleistert wurde, sondern das Spiel in sämtlichen Ebenen durchdringt. Die Karten sind mitsamt ihrer Fähigkeiten zumeist tatsächlich thematisch passend zu den literarischen Vorbildern und jedes der Häuser hat einen anderen Fokus: die intrigierenden Lannisters sind eben in militärischer Hinsicht deutlich unterlegen, können dafür aber dem Gegner die Karten aus der Hand ziehen und die Armeen zum Teil für die Runde unbenutzbar machen.<br />
»Fantasy Flight Games« ist es vor allem hoch anzurechnen, dass sie in Sachen Spielbalance bisher stets ein goldenes Händchen besaßen. Bei Tausenden von Karten  besteht immer die Gefahr, dass irgendwo eine übermächtige, das Spiel dominierende Kombination entsteht, aber »A Game of Thrones« hat das spielerische Gleichgewicht zwischen den Häusern bisher gut bewahrt, auch wenn einzelne über die Zeit hinzugekommene Mechaniken und Subthemen nicht ganz so gleichwertig gewesen sind, wie man sich das als Spieler gerne gewünscht hätte.</p>
<p>Nichtsdestotrotz ist »A Game of Thrones: The Living Card Game« die dritte Säule im herausragenden Triumvirat von Buch, TV-Serie und Kartenspiel und für Anhänger des Martin&#8217;schen Universums eine fantastischer Zeitvertreib.</p>
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		<title>Ein Loblied von Eis und Feuer: Die TV-Serie</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Aug 2011 20:30:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[»Oh, my sweet summer child, what do you know about fear? Fear is for the winter, when the snows fall a hundred feet deep. Fear is for the long night, when the sun hides for years and children are born and live &#8230; <a href="http://kellermensch.de/2011/08/14/ein-loblied-von-eis-und-feuer-die-tv-serie/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="aligncenter" title="Game Of Thrones" src="http://www.kellermensch.de/wp-content/uploads/gotlogo.jpg" alt="" width="640" height="246" /><br />
»Oh, my sweet summer child, what do you know about fear?<br />
Fear is for the winter, when the snows fall a hundred feet<br />
deep. Fear is for the long night, when the sun hides for years and children are born and live and die all in darkness. That is the time for fear, my little lord.«</em></p>
<p><em><span id="more-152"></span></em>Buch in Film, Film in Comic, Comic in Computerspiel, Computerspiel in Buch – der Transport eines Mediums in ein anderes gehört mittlerweile zum Alltag der medienproduzierenden Landschaft. Und das Resultat lässt den passionierten Anhänger des Ursprungsmaterials oftmals nur laut »Waruuuuum?« (in <a href="http://youtu.be/tvrI3wy_TGk" target="_blank">dieser</a> Tonart) fragen. Selbst als Peter Jackson vor zehn Jahren in einem einzigartigen Kraftakt den »Herrn der Ringe« auf die Kinoleinwand hob, ging ein beträchtlicher Teil des Zaubers der Buchvorlage verloren – auch weil Jackson nicht immer wusste, wann ein Teil des Buches im Film funktionieren würde und wann nicht.</p>
<p>Als HBO vor geraumer Zeit ankündigte, George R. R. Martins<a href="http://kellermensch.de/2011/06/06/ein-loblied-von-eis-und-feuer-die-bucher/" target="_blank"> »A Song Of Ice And Fire«</a>-Buchreihe einen Fernseh-Pilotfilm und womöglich gar eine ganze Serie zu spendieren, war ich deshalb nicht nur skeptisch, sondern innerlich schon dazu bereit, die klassische Abwehrhaltung für misslungene Verfilmungen einzunehmen (die besteht darin, sich die Ohren zuzuhalten und fortwährend »Lalalalala« zu singen, wann immer das Thema zur Sprache kommt; »Star Wars«-Fans kennen das Ganze als »Midichlorianer-Effekt«).<br />
Allerdings keimte zarte Hoffnung auf: Erstens musste Martin, der selbst lange als Drehbuchschreiber tätig war, wissen, wann ein Verfilmungskonzept etwas taugen würde, hatte er doch bereits unzählige andere Angebote abgelehnt. Und zweitens handelt es sich bei HBO um den wohl profiliertesten amerikanischen TV-Produzenten. Serien wie die »Sopranos«, »Deadwood« oder das grandiose »Band of Brothers« gehören zu Recht zu den Meilensteinen der Fernsehgeschichte.<br />
Im April 2011 war es dann soweit und die erste Folge der aus zehn Episoden bestehenden ersten Staffel feierte Premiere – und sie war sehr, sehr gut und besser noch: die Serie steigerte sich von Woche zu Woche bis hin zum atemberaubenden Finale.</p>
<p>Selten lässt sich der Erfolg eines so komplexen Produktes wie einer Fernsehserie, an der mehrere hundert Menschen mitgearbeitet haben, an so wenigen Leuten festmachen wie hier. Die Großartigkeit »Game of Thrones« hat man zwei Personen zu verdanken: David Benioff und Daniel B. Weiss. Nicht nur dass sie es waren, die sowohl George Martin als auch HBO von der Machbarkeit einer Serie überzeugt haben, es waren auch Benioff und Weiss die eine straffe kreative Kontrolle über die Produktion behielten und fast alle Drehbücher selbst geschrieben haben. Und die Beiden verstehen das Wichtigste, nämlich welcher Teil der Bücher im Medium Fernsehen funktioniert und welcher nicht. Man möchte ihnen um den Hals fallen dafür, dass sie genau abschätzen konnten, welche Handlungsstränge der Kürzung fürs Fernsehen zum Opfer fallen konnten, dafür, dass sie keine überstrapazierten Rückblenden benutzt haben, um die Hintergrundgeschichte zu erläutern und schlussendlich vor allem dafür, dass sie den absoluten Kern von Martins Erzählung erkannt und behutsam beibehalten haben: die spannende Entwicklung der Charaktere und das zuweilen abrupte frühzeitige Ableben derselben.</p>
<p>Die Behutsamkeit, mit der bei der Umsetzung zu Werke gegangen wurde, wird schon beim Casting sichtbar. Ich weiß nicht, wieviele Kinder man von Spielplätzen und aus Schulen entführt und ins Studio gezerrt hat, um sie auf ihr schauspielerisches Talent zu prüfen, aber allein die Qualität der Kinderschauspieler ist angesichts ihrer herausfordernden Rollen enorm. Und auch ansonsten passt fast jede Rollenbesetzung wie die Faust aufs Auge.<br />
Das war allerdings auch bitter nötig, denn mangels finanzieller Sorglosigkeit musste man sich zwangsläufig auf das komplexe Beziehungsgeflecht der Prota- und Antagonisten beschränken, anstatt große Special Effects-Feuerwerke abzubrennen. Wo Peter Jackson mit wahren Unsummen um sich schmeißen und mal eben das größe Special Effects-Studio aus dem Boden stampfen konnte, merkt man bei »Game of Thrones«, dass die Fernsehbudgets zwar größer geworden sind, aber immer noch nicht den verschwenderischen Bombast eines Kinoblockbusters erlauben. Aber dankbarerweise wird bei größeren Schlachten nicht mehr derselbe Fehler wie bei »Rome« gemacht, wo ein Dutzend Statisten in verwackelter Nahaufnahme eine Schlacht mit mehreren zehntausend Soldaten nachstellen mussten, sondern es wird geflissentlich schon vorher ins Schwarze geblendet und nur das Ergebnis des Gemetzels rekapituliert.</p>
<p>»Game of Thrones« ist sicher nicht das Beste, was je auf dem Fernsehbildschirm zu sehen war, aber im Fantasybereich stellt es eine echte Referenz dar – zumindest nach der ersten Staffel. Aller Euphorie zum Trotz bleiben leise Zweifel und auch einige Kritikpunkte.<br />
Gerade während der ersten Folgen wirkten die Regisseure streckenweise arg überfordert mit der Fülle an Handlungssträngen und -orten und so mancher Wechsel zwischen denselben holperte auf B-Movie-Niveau daher.<br />
Zuweilen hat man einen Szenenwechsel auch gnädig herbeigesehnt und hätte nicht jemand bereits den Begriff der »Sexposition« geprägt, um den unbeholfenen Versuch, nackte Frauen und Hintergrundgeschichte zu verknüpfen, zu beschreiben, man müsste es glatt selbst tun. Ich verstehe schon, HBO, ihr seid ein Ab-18-Sender und könnt im Vergleich zum restlichen US-Fernsehen sämtliche Prüderie über Bord werfen, aber die Maßlosigkeit von Sodom und Gomorrha muss es ja auch nicht gleich sein.</p>
<p>Nach einem derart starken Auftakt wird es »Game of Thrones« mit Sicherheit schwer haben das Niveau zu halten, vor allem angesichts des immer größer werdenden Umfanges der Buchvorlagen und der Beharrlichkeit von HBO bei spärlichen zehn Folgen pro Staffel zu bleiben, was die oben angesprochenen Probleme nicht vermindert. Wenn es jedoch jemandem gelingt, trotz all dieser Hürden weiterhin eine würdige Buchverfilmung abzuliefern, dann sind es Benioff und Weiss und das sollte einen angesichts der exzellenten ersten zehn Stunden »Game of Thrones« zuversichtlich stimmen.</p>
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		<title>Deutschland: Kein Sommermärchen</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jul 2011 20:22:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011, das war bereits im Vorfeld ein schizophrener Akt: Man möge doch bitte den Frauenfußball nicht mit dem Männerpendant vergleichen, das wäre ja unfair, aber diese Marta, ja, die ist schon genauso gut wie der Messi und die Birgit &#8230; <a href="http://kellermensch.de/2011/07/11/deutschland-kein-sommermarchen/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter" title="FIFA Frauenfußball-WM 2011" src="http://www.kellermensch.de/wp-content/uploads/frauenwm.jpg" alt="" width="727" height="138" />Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011, das war bereits im Vorfeld ein schizophrener Akt: Man möge doch bitte den Frauenfußball nicht mit dem Männerpendant vergleichen, das wäre ja unfair, aber diese Marta, ja, die ist schon genauso gut wie der Messi und die Birgit Prinz hat mehr Tore geschossen als Franz Beckenbauer und dritte Plätze sind doch nur was für Männer und Frauen spielen ja eh viel fairer, deshalb gibt es weniger Fouls, weniger gelbe Karten und weniger Schauspielerei, was die ganze Sache viel attraktiver macht als den Fußball der XY-Chromsomenträger. Aber vergleichen soll man den Fußball der Frauen und Männer um Gottes Willen nicht!</p>
<p><span id="more-156"></span> Noch nie wurde dem Frauenfußball hierzulande eine derart große mediale Plattform geboten. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF haben in all ihrer Gremienweisheit und unter Aufbietung aller Political Correctness beschlossen, sämtliche Spiele in die Wohnzimmer der Republik zu übertragen, live und ungekürzt, selbst die nachmittäglichen Knallerpaarungen wie Australien gegen Äquatorial-Guinea, die schon beim Männerfußball nur zum gemütlichen Warmtrinken für die Abendpartien taugen. Aber die Nationalmannschaft der Frauen hatte bereits zwei Weltmeistertitel in Folge eingesackt und so sollte es ein neues Sommermärchen bei einer WM im eigenen Land werden und das Triple für die Deutschkickerinnen war eigentlich schon ausgemachte Sache. Vor dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Kanada ging es nur darum, ob wir nun 5:0 oder 8:0 gewinnen würden.<br />
Spätestens seit dem Viertelfinal-Aus der deutschen Mannschaft ist nun wenigstens bewiesen, dass man ein Sommermärchen nicht herbeireden oder -schreiben kann, dass man es nicht beschwören kann, sondern dass es wie bei den Männern anno 2006 einfach passiert.<br />
Aber was bleibt sonst übrig von der Frauenfußball-WM, die im Juli 2011 so urplötzlich zum spektakulären, hochklassigen Event stilisiert wurde?</p>
<p>Kurz vor dem Eröffnungsspiel habe ich einen (im Nachhinein nur als mutig zu bezeichnenden) Entschluss gefasst: Um über den Frauenfußball fair zu urteilen, muss man ihn gesehen haben und so wie es die arbeitsunfreundlichen Anstoßzeiten zuließen, habe ich den Großteil der Begegnungen am Bildschirm verfolgt. Rund 15 Partien waren es, die ich in ungläubigem Staunen und mit wachsender Verärgerung angeschaut habe und nach eingehender Betrachtung kann ich nun meine ehrliche Bitte formulieren: Verbannt den Frauenfußball wieder dahin, wo er seit 20 Jahren stattfindet, nämlich auf die Nebenplätze dieser Welt vor einer Handvoll Zuschauer!</p>
<p>Man verstehe mich nicht falsch: Frauen dürfen sehr gerne Fußball spielen, in ihren Ligen, nationalen Wettbewerben und auch bei ihren Weltmeisterschaften. Aber wenn man den Frauenfußball derart künstlich aufbläht wie in den vergangenen zwei Wochen, dann platzt der Ballon aus schönem Schein auch genauso schnell. »The beautiful side of 2011« prangte es auf großformatigen Bannern in jeder Arena, passender wäre »The boring side of 2011« gewesen. Derart schlechten Fußball hat man vermutlich seit vielen, vielen Jahren nicht mehr im deutschen Fernsehen gesehen (Spötter mögen jetzt sagen: seit der Ära Erich Ribbeck, aber das hat der arme Mann nun wahrlich nicht verdient).<br />
Es geht nicht um die fehlenden pyhsischen Fähigkeiten der Frauen, das anzukreiden wäre in der Tat unfair. Es geht hier um elementare Dinge, die den Fußball ausmachen und überhaupt erst die Attraktivität für den Zuschauer herstellen: Passspiel, antizipierende Laufwege, taktisches Verständnis, Übersicht. All das hat man in jedem der WM-Spiele der Frauen völlig vergeblich gesucht. Einigen Mannschaften sah man an, dass sie in der Vorbereitung ein, zwei Varianten des Flügelspieles eintrainiert hatten, ansonsten war das Offensivspiel stets nur geprägt von sinnlosen Flanken aus dem Halbfeld in den Rücken der Stürmerinnen oder dem guten alten Kick-and-Rush längst vergangener Tage. Eigentlich fielen Tore vor allem aus einer Situation heraus: einem kapitalen Bock der Abwehr. Missglückte Rückpässe, strunzdoofes und ungenaues Quergeschiebe vorm eigenen Strafraum und schlechtes Stellungsspiel – schwups, war der Ball drin. Und dann die Torwärterinnen! Muss man die armen Geschöpfe denn in einen 2,44 Meter hohen Kasten stellen? Die sind nunmal durch die Bank nicht größer als 1,80 Meter und haben die Sprungkraft eines kurzbeinigen Dackels. Nicht selten senkte sich der Ball also einfach über die hilflos umplumpsende Torhüterin hinweg ins Netz.<br />
Noch viel mehr als diese Sonntagstreffer störte aber das über alle Maßen unpräzise Passspiel. Selbst die Kneipenmannschaft von »Uwes Bierstube« kann vermutlich beim Sonntagvormittag-Kater-Freundschaftsspielchen noch genauere Pässe schlagen als die meisten versammelten Frauenmannschaften. Ballstafetten über vier oder mehr Positionen konnte man in jedem Spiel an einer Hand abzählen, meistens wechselte der Ball pro Minute öfter den Besitzer als Philipp Mißfelder seinen politischen Standpunkt.</p>
<p>Zum traurigen Gekicke der Akteurinnen gesellte sich dann das Unvermögen der Schiedsrichterinnen. Völlig überforderte weibliche Unparteiische pfiffen teils skurilles Zeug zusammen. Den traurigen Höhepunkt bildete das eingangs angesprochene Spiel-Schmankerl Australien gegen Äquatorial-Guinea. Nach einem Pfostenschuss nahm eine der Afrikanerinnen den Ball einfach in die Hand, schaute verdutzt, ließ die Pille dann fallen und tat als wäre nichts gewesen. Der fällige Elfmeterpfiff blieb aus. Und dann war da die finnische Wuchtbrumme, die im letzten Gruppenspiel der Deutschen so pfiff, als hätte sie gerade einen Lehrfilm namens »Der rigorose Referee« gesehen: kleinlich überzogen gab es für jede zarte Berührung des Gegners den gelben Karton, überreicht mit der Miene eines Terminators.</p>
<p>Wenn all das oben Genannte im Fußball aufeinandertrifft, hat das normalerweise einen Namen: Kreisliga. Dank medialer Dauerbeschallung wurde das Gruselkabinett der Unzulänglichkeiten aber inszeniert wie Das Nächste Große Ding™ und das ist Frauenfußball ganz und gar nicht und wird es auch in absehbarer Zeit nicht werden. Das ist der Fluch des Zu-Spät-Kommens – Warum sollte jemand Frauenfußball schauen wollen, wenn das Gegenstück der Männer so viel besser, spannender und unterhaltsamer ist?</p>
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		<title>Ein Loblied von Eis und Feuer: Die Bücher</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jun 2011 18:56:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Als John R. R. Tolkien 1969 den »Herrn der Ringe« veröffentlichte, hat er der bis dahin still darbenden Fantasy-Literatur einen Bärendienst erwiesen. Mit einem Mal besaß ein bis dato unterrepräsentiertes Genre einen unglaublich sprachgewaltigen Vertreter, der mit unerschöpflicher Sorgfalt und &#8230; <a href="http://kellermensch.de/2011/06/06/ein-loblied-von-eis-und-feuer-die-bucher/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img class=" aligncenter" src="http://www.kellermensch.de/wp-content/uploads/asoiaf_buch.jpg" alt="A Song Of Ice And Fire" width="640" height="256" /></p>
<p>Als John R. R. Tolkien 1969 den »Herrn der Ringe« veröffentlichte, hat er der bis dahin still darbenden Fantasy-Literatur einen Bärendienst erwiesen. Mit einem Mal besaß ein bis dato unterrepräsentiertes Genre einen unglaublich sprachgewaltigen Vertreter, der mit unerschöpflicher Sorgfalt und durch lebenslange Autorenarbeit zu einem Werk von epischem Ausmaß gewachsen war. Diese Fußstapfen erwiesen sich in der Folge für fast alle Autoren des nunmehr der ungebrochenen Popularität ausgesetzten Genres als zu groß und es sollte fast dreißig Jahre dauern, bis die Fantasy einen neuen, dringend überfälligen Impuls erhielt: Die »A Song Of Ice And Fire«-Serie des US-Amerikaners George R. R. Martin.<br />
<span id="more-131"></span><br />
»A Song Of Ice And Fire« ist so etwas wie der diametrale Gegenentwurf zu Tolkiens mythischer Hochfantasy. Wenn man dem Briten Tolkien etwas vorwerfen kann, dann ist es die Schwarz-Weiß-Malerei seiner Welt, für Grautöne bleibt so gut wie kein Platz in Mittelerde. Selbst der innerlich zerrissene Boromir ist dank seines Heldentodes maximal ein dreckiges Weiß.<br />
Nun passt die klar definierte Gut-Böse-Hierarchie natürlich hervorragend zum Märchencharakter seiner Geschichte, lässt die Prota- und Antagonisten von Tolkiens Werk aber stets zum Spielball der Erzählung werden anstatt sie unabhängig von der fortlaufenden Geschichte interessant zu machen. Nicht so in George Martins Welt. Aber vielleicht greife ich an dieser Stelle schon zu weit vorweg. Worum geht es in »A Song Of Ice And Fire« denn überhaupt?</p>
<p>Die bisher vier Bücher (mit einem bereits in den Startlöchern stehenden fünften Buch) erzählen die Geschichte des Kontinents Westeros und seiner sieben Königreiche. Letztere werden mittlerweile von einem einzigen König regiert, sind aber noch immer Sitz und Machtbasis kleinerer und größerer Adelshäuser.<br />
Nicht zufällig erinnert die Ausgangsposition der Bücher an ein feudales mittelalterliches Europa. Martin schraubt dankbarerweise von Anfang an den »fantastischen« Anteil, die Magie und die übernatürlichen Wesen, zurück und webt stattdessen ein komplexes politisches Netz aus vielfältigen Interessen, Machtansprüchen und Intrigen. Dabei bedient er sich freimütig aus dem reichhaltigen Fundus real-historischer Ereignisse, potenziert sie mit dem Fantasyfaktor Zehn und lässt sie auf seine Charaktere herniederprasseln.</p>
<p>Martins Charaktere sind auch der zentrale Aspekt von »A Song Of Ice And Fire«. Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll: Beim stoisch-prinzipientreuen Eddard Stark, dem Lehnsherr des nördlichsten der Königreiche, der sich plötzlich als Hand des Königs in der Hauptstadt des Reiches wiederfindet und mit seiner Kopf-durch-die-Wand-Mentalität nicht nur sich und seine Familie in Gefahr, sondern auch das ganze Königreich an den Rand eines Bürgerkrieges bringt? Bei seiner naiven Tochter Sansa, der die Lieder und Geschichten von edlen und tugendhaften Rittern zu Kopf gestiegen sind und die von der Realität derart brutal auf den Boden der Tatsachen zurück geholt, dass man sie trotz ihrer Arroganz und Unreife ein wenig bemitleiden möchte? Oder bei Tyrion Lannister, dem missgebildeten Sprössling der intrigantesten und verabscheuungswürdigsten Familie in ganz Westeros, einer Person, die man abwechselnd bemitleiden, schlagen und küssen (ein&#8230; äh, rein männlicher Kuss natürlich) will?<br />
Jedes Kapitel erzählt die Geschehnisse aus der Sicht einer Person und das wahre Kunststück besteht dabei in der Tatsache, dass Martin die gängigen Fantasyklischees nicht nur vermeidet, sondern zuweilen gar völlig auf den Kopf stellt. Es sind nicht die strahlenden Ritter und nicht die schönen Jungfrauen, die die Geschicke von Westeros lenken. Im Gegenteil, für das Idealbild des Ehrenmannes und der Ehrenfrau ist in Martins Büchern einzig ein Platz im matschigen Dreck vorgesehen. Tot. Während jemand auf die Leiche pinkelt. Nachdem er sie vergewaltigt hat.<br />
Doch auch die Protagonisten, die das Spiel der Könige beherrschen, haben in Westeros  wenig zu lachen. Spätestens nach dem ersten der vier Bücher wird einem rasch klar, dass George R. R. Martin keine Gnade kennt, am wenigsten gegenüber seinen prominentesten Charakteren. Liebgewonnene Figuren sterben, und zwar keinen Heldentod, sondern sie werden oft genug nur zum Opfer eines weiteren Plottwists, einer weiteren Intrige. »A Song Of Ice And Fire« kennt nur wenige Gewinner, aber viele Verlierer.</p>
<p>Hier besteht auch der zentrale Unterschied zum »Herrn der Ringe«. Es sind bei Martin die persönlichen Schicksale, die den Leser emotional berühren, denn keiner der unzähligen Charaktere bleibt einem völlig egal, und sei es nur, dass man bestimmte Antagonisten am liebsten an einer Schlinge baumelnd zehn Meter über dem Erdboden sehen möchte (nur um dann dreihundert Seiten später festzustellen, dass man seine Meinung vielleicht doch revidieren muss). Verbunden mit der omnipräsenten Gefahr, dass jeder Charakter zu jeder Zeit das Zeitliche segnen kann, entsteht eine literarische Tour-de-Force, der man sich nur schwer entziehen kann.<br />
Es gibt eine Stelle im dritten Buch, die als Fanal in die Geschichte der Fantasyliteratur eingehen wird, wenn sie es nicht bereits ist, und sie ist der Beweis für Martins erzählerisches Genie. Es ist eine kraftvolle Szene, in die Martin den Leser gutgläubig führt. Jedes inhaltliche Detail wäre an dieser Stelle ein nicht verzeihbarer Spoiler, aber es sei gesagt, dass ich am Ende dieses Kapitels fassungslos das Buch niedersinken ließ und George Martin mit allen mir bekannten Schimpfwörtern (und das sind eine ganze Menge) belegt habe. GEORGE, WIE KANNST DU MIR DAS ANTUN? DU MISERABLER, GEMEINER, ELENDER&#8230; MEISTER DER FANTASY!</p>
<p>Wenn ich gnadenlos objektiv sein muss (was ich augenscheinlich nicht bin und bei diesen Büchern auch gar nicht sein möchte), müsste ich noch sagen, dass sich Martin im späteren Verlauf durchaus einige Inkonsistenzen zum Beginn der Erzählung leistet, aber was interessiert mich das, wenn ich drei Seiten weiter schon wieder hoffe, bange, zittere, lache, fluche und jederzeit bestens unterhalten werde? »A Song Of Ice And Fire« steht vielleicht nicht auf einer Stufe mit Tolkiens Überwerk, aber es kann die Kante zu dieser Stufe locker im Blick behalten, während andere Fantasyautoren sich irgendwo weiter unten, unter der Wolkendecke, um die hinteren Plätze balgen.</p>
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		<title>Tonträgeranalyse</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Apr 2011 19:17:36 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Jahren schrieb ich an dieser Stelle über die absurde Unsinnigkeit von Musikrezensionen. Eine hochgradig subjektive Kunstrichtung wie die Musik lässt sich unmöglich bewerten, einordnen und in Schubladen stecken und jeder der unzähligen »Musikkritiker« benutzt seine prätentiösen Wortsalven nur &#8230; <a href="http://kellermensch.de/2011/04/28/tontrageranalyse/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter" title="Okkervil River" src="http://www.kellermensch.de/wp-content/uploads/okkervil-river-2.jpg" alt="Okkervil River" width="600" height="197" />Vor einigen Jahren schrieb ich an dieser Stelle über die absurde Unsinnigkeit von Musikrezensionen. Eine hochgradig subjektive Kunstrichtung wie die Musik lässt sich unmöglich bewerten, einordnen und in Schubladen stecken und jeder der unzähligen »Musikkritiker« benutzt seine prätentiösen Wortsalven nur dazu seine eigene quasi-faschistische Musikagenda als objektive Wahrheit zu propagieren. Zusammengefasst sagte ich damals: Es gibt keine gute und keine schlechte Musik, es gibt nur Musik, die einem gefällt oder nicht.<br />
Nun, ich lag falsch. Es gibt gute Musik.<br />
<span id="more-117"></span></p>
<p>Zuerst muss ich klarstellen, dass mein ursprüngliches Fazit nicht grundlegend falsch ist, aber dennoch erweitert werden muss. Es gibt zwar keine schlechte Musik (denn irgendwo auf dieser Welt findet sich immer jemand, der darauf komplett abfährt), aber es gibt durchaus Unterschiede in Bezug auf gute Musik. Die Crux bei der Angelegenheit liegt wieder bei der Subjektivität, aber es lassen sich durchaus (objektive) Maßstäbe anlegen, ob Musik (subjektiv) wirklich gut ist. Um diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen, muss ich auf den Fundus meiner Musiksammlung zugreifen, genauer gesagt auf – wer mich kennt, hat es schon geahnt – »Okkervil River«.</p>
<p>In vielen Fällen dudelt Musik einfach nur irgendwo im Hintergrund herum. Sie umspült die Ohren, wenn man anderweitig beschäftigt ist (Auto fahren, arbeiten, Party, etc.) und man hört maximal mit einem Ohr hin. Wichtig ist hier vor allem ein Faktor: Eingängigkeit, egal ob in Bezug auf Melodie oder Text.<br />
Da Musik allerdings zweifelsfrei eine Kunstform ist, wäre es unfair sie nur anhand ihrer Tauglichkeit zur Nebenbei-Beschallung zu beurteilen. Niemand würde auf die Idee kommen, einen Film daran zu messen, dass man ihn beim Autofahren schauen kann oder ein Buch daran, dass es Sinn ergibt, wenn man nur jede vierte Seite liest. Bücher und Filme werden konzentriert betrachtet, warum also nicht auch Musik?</p>
<p>Kunst, egal in welcher Form, wird zumeist anhand ihrer Fähigkeit, Emotionen hervorzurufen, beurteilt. »Das lässt mich kalt« ist ein vernichtendes Urteil, »ich habe bis zum Schluss mitgefiebert« meist ein Ritterschlag. Es geht um Gefühle, um die Reaktion des Rezipienten. Deshalb also mein Vorschlag für ein Musik-Gütesiegel: Gute Musik erzeugt Emotionen und je spezifischer diese sind, desto besser ist die Musik.<br />
Wieder gilt dabei natürlich: die Auslöser für jede Emotion sind subjektiv. Was den Einen völlig unbeeindruckt lässt, ist für den Anderen hoch beeindruckend. Deshalb muss mein Beispiel für die Theorie ein subjektives sein, nämlich mein Hörgenuss von »Okkervil River«, denn keine andere Band schafft es, bei mir derartig ausgeprägte Emotionen zu erzeugen.</p>
<p>Mein erster Kontakt mit »Okkervil River« war kurz und wenig spannend: mal reingehört, nebenher anderen Kram gemacht, »aha« gemurmelt und das war&#8217;s. Aber einige Tage später habe ich das gemacht, was man prinzipiell mit jeder Musik machen sollte: Hinlegen, Augen schließen und einfach wirken lassen.</p>
<blockquote><p>I rose from a dream;<br />
I had just destroyed everything<br />
with one crushing blow,<br />
and I woke up and watched it go.</p></blockquote>
<p>Und es war das Lied »In A Radio Song« mit oben stehenden Zeilen, das mir plötzlich Gänsehaut bescherte. Die Melodie war unbehaglich, schleppend, einem Albtraum gleich, aus dem man aufwachen möchte, aber es nicht schafft. In diesem Moment verschmolzen Text und Instrumente zu einer Einheit und ein ganz spezielles Bild entstand vor meinen Augen, gepaart mit einer starken Beklemmtheit und einem Kloß im Hals. Bestand meine Skala zur Einteilung von Liedern vorher aus den drei Werten »geil«, »okay« und »scheiße« (ich übertreibe hier nur um meinen Standpunkt zu verdeutlichen), sah ich mich nun einer Fülle von neuen Reaktionen auf Musik gegenüber. Und »Okkervil River« spielt die gesamte Klaviatur von Emotionen und jedes einzelne ihrer Lieder ist eine Tür zu einer Welt, die so subjektiv ist, dass nur ich sie erfahren kann; jedes Album ist ein Spektrum der Gefühle und ein unvergessliches Erlebnis.</p>
<p>Es bedarf vielleicht eines weiteren Textbeispieles, um zu verdeutlichen, was ich meine. Folgend ein Auszug aus dem wundervoll direkt betitelten Lied »The War Criminal Rises And Speaks«:</p>
<blockquote><p>Now he’s rising and not denying.<br />
His hands are shaking, but he’s not crying.<br />
And he’s saying “How did I climb<br />
out of a life so boring into that moment?<br />
Please stop ignoring the heart inside,<br />
oh you readers at home!<br />
While you gasp at my bloody crimes,<br />
please take the time<br />
to make your heart my home:<br />
where I’m forgiven by time,<br />
where I’m cushioned by hope,<br />
where I’m numbed by long drives,<br />
where I’m talked off or doped.<br />
Does the heart wants to atone?</p>
<p>Oh, I believe that it’s so,<br />
because if I could climb back through time,<br />
I’d restore their lives and then give back my own:<br />
tens of times now its size<br />
on a far distant road<br />
in a far distant time<br />
where every night I’m still crying,<br />
entirely alone.</p></blockquote>
<p>Es gibt nicht viele Bands, die sich überhaupt jemals an schwierige Themen wie Kriegsverbrechen trauen würden, aber so meisterlich wie bei »Okkervil River« habe ich den Umgang damit noch nie erlebt. Die Musik beginnt langsam, der Text beschwört zu Beginn nur die Bequemlichkeit einer Welt, in der Unangenehmes ausgeblendet wird, eine Welt, die Grausames normalerweise auf einer Schwarz-Weiß-Skala einteilt und dementsprechend ohne tiefere Beschäftigung mit dem Sujet verurteilt.<br />
Langsam schwillt die Musik zu einem Crescendo an, während die Erzählperspektive auf die des von Schuldgefühlen geplagten Angeklagten wechselt. Nach dem musikalischen Höhepunkt folgt das kunstvolle Vorhalten des Spiegels und die ironische Dekonstruktion der eigenen Bequemlichkeit. Das Sujet der moralischen Komplexität einer Handlung, die gerne ohne nähere Betrachtung verurteilt wird, zwingt den Hörer förmlich dazu, sich und seine Haltung näher zu überdenken. Ein besseres Kompliment für Musik kann ich mir nicht vorstellen und die eindringliche Kraft dieses Liedes wirkt bei mir selbst nach dem zwanzigsten oder dreißigsten Hören immer noch gleich stark.</p>
<p>Ein letztes Beispiel soll mir noch dazu dienen, ein Fazit zu ziehen.</p>
<blockquote><p>And kids get lost, lambs out wandering,<br />
and bigger, blacker things come calling<br />
from outside a tiny garden somebody once laid their hearts on.<br />
And kids get lost, and kids get broken,<br />
and their diaries get found and opened,<br />
and their legs get led astray,<br />
and then they lie inside some secret place<br />
where the sun looks in the open ceiling,<br />
and kids grow up, and kids stop feeling<br />
kids, and feel adults, and face away.</p></blockquote>
<p>Als Teil eines Songzyklus&#8217;, der sich über zwei Alben erstreckt, sind diese Zeilen der resignative Schluss des Kapitels Kindheit und sie fassen ein Gefühl zusammen, dass mich beim Rückblick auf die eigene Adoleszenz stets beschleicht.<br />
Und das ist das Wunderbare an guter Musik: die entstehenden Gefühle lassen sich nicht in Worten oder Bildern beschreiben, so wie es ein Film oder ein Buch vermögen. Sie bleiben Gedanken, pure Emotionen und sind damit überaus kostbar persönlich.</p>
<p>Natürlich höre ich nicht nur »Okkervil River«. Manchmal brauche ich den bewegungsanimierenden Bass von Goa, den elektrisierenden Lärm von Rock oder die Ohrwurmqualität von Pop. Aber wenn ich mehr will als das, wenn mir der Sinn nach intellektueller Stimulation und Konfrontation mit Gefühlen steht, dann landet »Okkervil River« in meiner Playlist. Und das ist dann die für mich gute Musik. Gnadenlos subjektiv, aber deshalb nicht weniger richtig.</p>
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		<title>Das Mordalbum</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Oct 2010 15:08:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[»Mordalbum 1947« steht auf dem schlichten Umschlag. Album. Das Wort klingt eigentlich nach Briefmarken, Poesie, Urlaubsfotos. Aber schon auf der ersten Seite wird deutlich, dass den Betrachter weder schlecht gereimte Verse noch Impressionen aus den Schweizer Alpen erwarten. »Raubmord am &#8230; <a href="http://kellermensch.de/2010/10/13/das-mordalbum/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter" title="Mordalbum 1947" src="http://www.kellermensch.de/wp-content/uploads/mordalbum.jpg" alt="Mordalbum 1947" width="640" height="218" />»Mordalbum 1947« steht auf dem schlichten Umschlag.</p>
<p>Album.</p>
<p>Das Wort klingt eigentlich nach Briefmarken, Poesie, Urlaubsfotos. Aber schon auf der ersten Seite wird deutlich, dass den Betrachter weder schlecht gereimte Verse noch Impressionen aus den Schweizer Alpen erwarten. »Raubmord am 7.01.1947« steht in schwarzen Schreibmaschinenlettern auf altem, gelblichem Papier und man blättert um und fühlt sich, als wäre man wieder ein kleines Kind, dass durch den schmalen Eingang einer Geisterbahn fährt, wissend, dass es jetzt kein Umkehren mehr gibt und die eigenen Ängste bereit sind die Kontrolle zu übernehmen.<br />
<span id="more-77"></span><br />
Wäre nicht klar, dass dieses Album die Arbeit der Kriminalpolizei ist, könnte man versucht sein zu sagen, dass es sich hier um einen bestialischen Gewaltporno handelt: Auffinden der Leichen nach einem Doppelmord. Eine nackte Frauenleiche nach einem Sexualverbrechen. Ein offensichtlich in Streit und Totschlag kulminiertes Trinkgelage.<br />
Das Buch ist ein Fenster, das den Blick in eine Welt freigibt, die wir allzu gern verdrängen und für unsere begrenzte Vorstellungskraft ebenso oft neu konstruieren. Leichen im Fernsehen, in Computerspielen, in Büchern – stets werden sie vom Erschaffer zu etwas stilisiert, das sie in Wirklichkeit nicht sind. Sie sind Figuren, die in eine Handlung eingewebt sind, die bemitleidenswerten Nebendarsteller einer größeren Geschichte und so sinnlos ihr Ableben auch erscheinen mag, ist es doch notwendig für das Fortschreiten der Erzählung. Wir wissen, dass es sich um Fiktion handelt, um ein Schauspiel, entweder in Worte oder in Bilder gefasst. So gnadenlos dieses Schauspiel auch auf Zelluloid gebannt ist, so eindringlich es mit Wortgewalt geschildert wird, so weit, so unendlich weit ist es doch von unserer Realität entfernt.</p>
<p>Das »Mordalbum« kennt keine Distanz. Es ist ein Einladung dem Wahnsinn direkt ins Antlitz zu blicken. Es gibt keine Geschichten, kein fein ausgearbeitetes Drehbuch. Die Leiche hat keine Berechtigung, keine hintergründige Dramaturgie, sie ist einfach da und überlässt die Deutung dem Betrachter. Nur in dürren, nüchternen Worten beschreibt ein auf Schreibmaschine getippter Text die äußeren Umständen. »Die Witwe Müller, Maria«, steht da, »wurde mit einer Gardinenschnur erdrosselt in ihrer Wohnung aufgefunden.«  Und viel zu oft endet der kurze Einleitungstext mit den Worten »Spuren konnten nicht gesichert werden. Über den Täter fehlt jeder Anhaltspunkt.«</p>
<p>Was dann folgt ist ein Diafilm des Todes, stumm, aber jedes Bild doch wie ein lauter Paukenschlag. Der Polizeifotograf kennt keinen Anstand, darf ihn für die Ausübung seines Berufes auch gar nicht haben. Er muss nur das abbilden, was er vorfindet, jedes relevante Detail in ein Foto verpacken. Er muss den blutigen, halb entstellten Schädel mit kühler Emotionslosigkeit fotografieren und es ist eben diese Abwesenheit von Pietät, dieses Fehlen jeglicher Würde, das den Blick auf die Wirklichkeit freigibt, den Blick darauf, wie sich der gewaltsame Tod tatsächlich darbietet und wie grausam die letzten Momente im Leben der Opfer gewesen sein mussten. Die bizarren Haltungen, die der menschliche Körper im Moment des Todes annimmt, sind so absurd, dass man meint, die Leiche möchte sagen »Schau her, ich bin ein Akrobat.« Ebenso scheinen die leblosen Augen, halboffen oder weit aufgerissen, zu schreien und den Betrachter eindringlich zu bitten nicht hinzusehen. Doch man kann nicht wegsehen und möchte nur fragen »Warum, warum hat das jemand getan?« Aber die Toten können nicht mehr antworten. Nur die Fotos erzählen etwas über das Leben der Opfer.</p>
<p>1947 muss ein bitteres Jahr gewesen sein, so wie viele Jahre seit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, deshalb sind die Geschichten nicht minder bitter. Die kärglichen Wohnungen der Opfer sind im heutigen Maßstab nur Abstellkammern und die ärmliche Einrichtung sieht oft alt und verschlissen aus.<br />
Auf einem Foto ist ein kleiner Tisch zu sehen, auf dem eine Vase mit Tannenzweigen steht. Eine einzelne Christbaumkugel erinnert daran, dass die Tat zur Weihnachtszeit geschehen sein muss. Neben der Vase steht noch eine angebrochene Zigarettenschachtel und auf dem Sofa dahinter sind die Kissen akkurat nebeneinander gelegt. Die sorgsam gezeichnete Skizze des Tatortes macht deutlich, dass es sich um eine kleine Wohnung mit nur zwei Zimmern gehandelt hat. Das Opfer war ein alleinstehender Mann, etwas mehr als fünfzig Jahre alt, von Beruf Fabrikarbeiter und man stellt sich vor, wie er an einem kalten Dezembertag dort gesessen hat auf dem Sofa direkt neben dem Ofen. Vielleicht hat er eine Zigarette geraucht, die Glaskugel betrachtet und die Hoffnung gehabt, dass jetzt, nach dem Ende des Krieges, alles wieder besser wird. Vielleicht hat er sich auch einsam gefühlt und in Gedanken versunken dagesessen, die Stille nur unterbrochen vom Ein- und Ausatmen des Zigarettenrauches.<br />
Was auch immer sich im Leben dieses Mannes abgespielt hat, ist in dem Moment bedeutungslos geworden, als das Beil ihn am Hinterkopf getroffen hat. Jetzt liegt er auf dem Fußboden, direkt vor dem kleinen Tisch und hat die Hände wie zum Gebet gefaltet, friedlich, fast als würde er schlafen und nur der große, verschmierte Fleck auf dem schwarz-weißen Foto erinnert daran, dass hier ein Verbrechen stattgefunden hat.</p>
<p>Dieser Mann ist nur eines der vielen dargestellten Opfer. Niemand erinnert sich an ihr Leben und nur in der Darstellung ihres Todes bleiben sie für die Nachwelt erhalten. Aber sie lassen ihre Geschichte durch die Bilder erzählen, geben dadurch Hinweise und werden im stummen Dialog mit dem Betrachter wieder lebendig. »Vergiss mich nicht«, sagen sie, »erinnere dich daran, wie sinnlos ich sterben musste.«</p>
<p>Fünf lange Stunden habe ich heute über dem »Mordalbum 1947« gesessen. Ich musste es tun, weil es Teil meiner Arbeit war. Ich bin allein gewesen und doch in der Gegenwart all dieser Menschen, war abgestoßen und fasziniert zugleich. Jetzt möchte ich nur nach draußen rennen, andere Menschen sehen und leben, leben, leben.</p>
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		<title>Selbstportrait mit iPad</title>
		<link>http://kellermensch.de/2010/10/08/selbstportrait-mit-ipad/</link>
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		<pubDate>Fri, 08 Oct 2010 18:17:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter" title="Selbstportrait" src="http://www.kellermensch.de/wp-content/uploads/selftitled.jpg" alt="Selbstportrait" width="640" height="381" /></p>
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		<title>Der Weltraum – unendliche Pleiten</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 19:36:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der »Star Trek«-Zeitlinie konnte ich mich nie so recht anfreunden. Wenn 2063 endlich der Warp-Antrieb erfunden wird, bin ich schon ein nörgelnder Tattergreis, für den das alles nur »überflüssiger neumodischer Kram« ist oder, schlimmer noch, ich wurde bereits Jahre &#8230; <a href="http://kellermensch.de/2010/10/01/der-weltraum-unendliche-pleiten/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter" title="Der Weltraum" src="http://www.kellermensch.de/wp-content/uploads/weltraum.jpg" alt="Der Weltraum" width="640" height="150" />Mit der »Star Trek«-<a href="http://de.memory-alpha.org/wiki/21._Jahrhundert" target="_self">Zeitlinie</a> konnte ich mich nie so recht anfreunden. Wenn <a href="http://de.memory-alpha.org/wiki/2063" target="_blank">2063</a> endlich der Warp-Antrieb erfunden wird, bin ich schon ein nörgelnder Tattergreis, für den das alles nur »überflüssiger neumodischer Kram« ist oder, schlimmer noch, ich wurde bereits <a href="http://de.memory-alpha.org/wiki/2053" target="_blank">Jahre zuvor</a> vom im apokalyptischen Dritten Weltkrieg dahin gerafft. Deshalb setze ich all mein Vertrauen in die non-fiktive Astronomie und ihre Bemühungen, Licht ins Dunkel des »universum incognita« zu bringen. Vertrauen, dass regelmäßig erschüttert wird und auf dem sämtliche Weltall-Entscheidungsträger mit voller Wucht herumtrampeln.</p>
<p><span id="more-52"></span>Damit astronomische Neuigkeiten in unserer schlagzeilenorientierten Zeit auch auf dem Radar der <a href="http://www.faz.net/s/RubCD175863466D41BB9A6A93D460B81174/Doc~E0AA9AEED5CA24BE2A59A45B0E54C2E43~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">gedruckten</a> <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/erdaehnlicher-planet-entdeckt-neue-heimat-1.1006410" target="_blank">Massenmedien </a><a href="http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/auf-gliese-581g-ist-leben-moeglich/" target="_blank">auftauchen</a>, muss eine spektakuläre Überschrift möglich sein, so wie »Zweite Erde gefunden«. Das klingt auf den ersten Blick so, als hätte das niemals schlafende Auge des Hubble-Teleskops tief in den luftleeren Raum gespäht und auf einem fremden Himmelskörper lauschig-grüne Täler, duftende Blumen und galoppierende Einhörner entdeckt. Dabei können wir den fraglichen Planeten, der auf den wenig publikumswirksamen Namen »Gliese 581g« hört, noch nicht einmal mit modernster Technik erkennen. Werden heutzutage weit entfernte Planeten entdeckt, geschieht das zumeist nur, weil selbige von Zeit zu Zeit das Licht ihres sichtbaren Muttersterns ein wenig verdunkeln. Für das menschliche Auge ist das nur in Form von schnöden Zahlenkolonnen, Tabellen und Diagrammen erkennbar und da liegt auch der Hund der modernen Astronomie (nennen wir ihn »Pluto«) begraben: Weltraumforschung ist für die Allgemeinheit nicht mehr spektakulär genug. 1969 hat selbst ein Kleinkind verstanden, dass gerade Zweibeiner auf dem hellen, runden Ding am Nachthimmel spazieren. Heutzutage müssen selbst interessierte Laien passen, wenn von Radialgeschwindigkeitsmessung und Gravitationslinseneffekt die Rede ist. Derartige Wörter würden in der BILD-Zeitung nicht einmal in eine Überschrift passen.</p>
<p>»Aber muss Astronomie eigentlich spektakulär sein?« könnte man fragen. Natürlich muss sie das! Seit den Ursprüngen der Raumfahrt kommt von Kritikern das Totschlagargument, dass es auf unserem blauen Planeten genug Probleme gäbe und man sich nicht noch zusätzliche schaffen müsse, indem man die Grenzen der Atmosphäre durchstößt, hinter denen es zum Großteil eh nur Vakuum und ein paar mehr oder minder große Felsbrocken gibt. Diese immer vehementer vorgetragene Kritik sorgt dafür, dass ein NASA-Projekt nach dem anderen wegrationalisiert und der bemannte Weltraumflug bald nur noch den notorisch unzuverlässigen Russen möglich sein wird. Dabei kann Weltraumforschung mehr als nur die Triebfeder für Fantastereien einiger Science-Fiction-Nerds sein, sie kann Lösungen für eine ganze Reihe unserer Probleme auf der Erde bieten, sie kann Forschung, Entwicklung und Innovation in unzähligen Bereichen bedeuten und sie ist zudem ultimatives Zeugnis für den Drang des Menschen nach Erweiterung seines sprichwörtlichen und buchstäblichen Horizontes.</p>
<p>Neuzeitliche Astronomie ist – bis auf wenige Ausnahmen – also leider eher von Budgetkürzungen als Wissenserweiterungen geprägt und um die monetäre Situation von NASA, ESA und Co. zu verbessern, benötigt die Astronomie zwingend mehr Sexappeal. Wo bleiben meine glasklaren HD-Videos von der Mondoberfläche? Warum muss Hubble sterben, wo es doch die symbolträchtigsten, bekanntesten und unvergesslich schönsten Bilder fremder Welten geschossen hat, die nicht nur wahrheitsgetreuer sondern auch tausendmal hübscher sind als die einfallslosen Malereien und CGI-Bilder, die mittlerweile Artikel über die Entdeckungen von Exoplaneten wie »Gliese 581g« begleiten? Und bin ich eigentlich der einzige, der gespannt die <a href="http://saturn.jpl.nasa.gov/photos/imagedetails/?imageid=3344" target="_blank">atemberaubenden Fotos</a> der »Cassini«-Saturnsonde erwartet?</p>
<p>Wenn selbst die unbemannte Weltraumforschung weiter so vor sich hin dümpelt (von der bemannten mal ganz zu schweigen), dann möchte ich doch lieber die »Star Trek«-Variante der Zukunft haben.</p>
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		<title>Gerald Börner – Ed Wood meets Literatur meets Adolf Hitler</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Sep 2010 16:17:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[börner]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[scheiße wie geil ist das bitte?]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist heutzutage selten, dass komplett neue literarische Gattungen geboren werden, aber auch in der mittlerweile schier unüberschaubaren Buchwelt geschehen noch Wunder. Das Erstlingswerk des bisher völlig unbekannten Autors Gerald Börner erfindet im Handumdrehen ein neues Genre: die faschistoide Trash-Science-Fiction. &#8230; <a href="http://kellermensch.de/2010/09/23/gerald-borner-%e2%80%93-ed-wood-meets-literatur-meets-adolf-hitler/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img class=" aligncenter" title="Das letzte Aggregat" src="http://www.kellermensch.de/wp-content/uploads/boerner_aggregat1.jpg" alt="Das letzte Aggregat" width="600" height="150" /></p>
<p>Es ist heutzutage selten, dass komplett neue literarische Gattungen geboren werden, aber auch in der mittlerweile schier unüberschaubaren Buchwelt geschehen noch Wunder. Das Erstlingswerk des bisher völlig unbekannten Autors Gerald Börner erfindet im Handumdrehen ein neues Genre: die faschistoide Trash-Science-Fiction. »Das letzte Aggregat« ist so etwas wie das »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Plan_9_aus_dem_Weltall" target="_blank">Plan 9 aus dem Weltall</a>« der Literatur. Was bei Ed Woods Meisterwerk die sichtbaren Aufhängungen der Raumschiffmodelle waren, sind bei Börner die zahllosen Rechtschreib-, Grammatik- und Interpunktionsfehler; was Wood an hölzernen Dialogen aufbot, übertrifft Börner locker mit seinen rumpeligen Gesprächen; was Wood komplett vernachlässigte, lässt Börner mit voller Breitseite auf den Leser los: eine völlig unverblümte Anhimmelung des Dritten Reiches.</p>
<p>Aber fangen wir von vorne an&#8230;</p>
<p><span id="more-6"></span><br />
Eines Tages lag ein handgefalteter A4-Zettel im Briefkasten, der in großen, roten Lettern die Überschrift »Nun bitte nicht gleich wegwerfen!« trug. Die vorzeitige Entsorgung wäre in der Tat tragisch gewesen, denn dann hätte die Welt niemals dieses literarische Kleinod kennengelernt. Herr Gerald Börner stellt sich im Folgenden als freiberuflicher Autor vor, der ein von ihm verfasstes Buch komplett in Eigenregie verlegt hat. Nicht etwa, weil es so schlecht war, dass sich kein Verlag zu einer Veröffentlichung erbarmen ließ, nein, der Grund ist, dass »nicht jede Meinungsäußerung erwünscht, wenn auch nicht explizit verboten ist«. Während der Leser sich noch darüber wundert, wie genau das zu verstehen ist, bewirbt Börner unter Aufbietung all seiner nicht vorhandenen Ausdrucksfähigkeit die Vorzüge des Produktes. Eine »spannende Abenteuergeschichte« verspricht er, genauso wie einen »Roman zum Nachdenken«. Es soll um Ideologien gehen, um Existenzsuche, die Rolle des deutschen Volkes (natürlich, wer, wenn nicht wir?) und die Frage, »warum der Mensch immer Mensch bleibt«. Wer den Mund derartig voll nimmt und gleich sämtliche Säulen moderner Literatur bemüht, muss natürlich einen ersten Beweis antreten und so hat Herr Börner nebst Bestellmöglichkeit auch gleich den Buchrücken samt Inhaltsangabe abgedruckt. Weil diese so grandios für sich selbst spricht, soll sie hier in voller Länge folgen:</p>
<blockquote><p>»Im Frühling des Jahres 2015 erfährt Arnold und kurz danach die ganze Menschheit, dass die Erde von einem mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit fliegenden Asteroiden noch vor Jahresende vernichtet werden wird. Nur eine Veränderung von dessen Flugbahn, welche jedoch bereits in Höhe unseres Nachbarsterns erfolgen müsste, könnte die Katastrophe noch abwenden. Natürlich ist niemand auf der Erde hierzu auch nur ansatzweise in der Lage.<br />
Arnold verflucht die Menschheit für ihre Dummheit und Ignoranz, doch dann erfährt er von seinem Vater, dass es vielleicht doch noch einen Weg zur Rettung gibt. Kurz darauf begegnet Arnold dem Aristokraten Meinhard von Stetten, dem Nationalisten Baldo und dem ebenso ideologisch durchgeformten Kommunisten Hagen. Der vielseitig talentierte Mulatte Germar sowie die atemberaubend schöne Individualistin Ragna komplettieren diese nicht gerade homogene Truppe. Allen gemeinsam ist jedoch, dass ihre Vorfahren einst in den letzten Tagen des Dritten Reiches an einem Aggregat arbeiteten, mit welchem die erforderlichen Rettungsmaßnahmen ausgeführt werden könnten.<br />
Doch wird es ihnen gelingen über ideologische Grenzen hinweg erfolgreich zusammenzuarbeiten? Welche Ziele verfolgen von Stetten und Baldo und welches mystische Geheimnis umgibt den unaufhörtlich nach dem rechten Weg suchenden Realisten Arnold?«</p></blockquote>
<p>Ja, wird es ihnen gelingen? Diesen Helden aus Stahl mit den blumig-germanischen Namen, diesem Baldo, dem Germar und der atemberaubend schönen Ragna? Dank der Wunderwelt der neuzeitlichen Bibliotheken konnte ich diesen brennenden Fragen nachgehen, ohne den Autor finanziell unterstützen zu müssen.</p>
<p>Um es gleich vorweg zu nehmen: Ja, es wird ihnen gelingen, die Erde zu retten! Das gelingt natürlich auch deshalb, weil sich die gesamte Mannschaft in großartigen Gesprächen zu den Werten der Führertreue, Rassenreinheit und Deutschtümelei bekennt, sogar der »Mulatte Germar«, der treubrav ins allgemeine Gelächter einstimmt, wenn mal wieder sein unreines Blut zum Thema gemacht wird.<br />
Die Geschichte vom »letzten Aggregat« ist schnell erzählt und ebenso wendungsreich wie ein amerikanischer Highway irgendwo in der texanischen Prärie. Der »Hauptprotagonist« (wieder Originalzitat) Arnold plagt sich am Anfang des Buches mit Gedanken herum, die vermutlich feingeistig wirken sollen, wenn der Autor Börner nicht gleich auf den ersten Seiten die Limitierungen seines eher kleinen statt feinen Geistes offenbaren würde. Arnold wird jedenfalls danach in den durchlauchten Kreis der <span style="text-decoration: line-through;">Nazis-in-Ausbildung</span> ideologisch inhomogenen Gruppe um den schneidigen Nazi-Sympathisanten Meinhard von Stetten eingeführt.  Dieser offenbart, dass die Nazis dereinst ein außerirdisches Material in einem Kometen fanden. Aus diesem »Sternenschmauch« (ein derart liebreizendes Wort erwartet man an dieser Stelle gar nicht, eher so etwas wie »Völkerblut« oder «Himmelsschwert«) getauften Element ließ sich eine Rakete bauen, die mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit durchs All düsen kann. Was ursprünglich als Waffe für den Krieg geplant war, wurde dann nach Ende des Zweiten Weltkrieges im Kugelhagel der bewachenden SS-Schergen zu einem vergessenen Geheimnis, von dem nur die versammelten Nachfahren Kenntnis hatten. Um es kurz zu machen: Das Wunderwerk der deutschen Ingenieurskunst ist intakt und kann flugs einsatzbereit gemacht werden. Zwischen zwei Triebwerksdüsen bleibt sogar noch genug Zeit, um die Ideologien der Beteiligten aufzugreifen. Wenn also im Klappentext von der »Individualistin Ragna« die Rede war, wird ihre Überzeugung jetzt nochmal deutlich, indem sie einen Satz mit »Ich als Individualistin&#8230;« beginnen darf.</p>
<p>Irgendwann vor dem Start der Rakete werden noch ein paar deutsche Polizisten dahin gemetzelt (der einzige Überlebende schließt sich freudig der Crew an), die Russen dürfen den halben Planeten im Zuge der Asteroidenpanik erobern und der Leser entkommt zudem nur ganz knapp einer unsäglichen Sexszene zwischen dem Hauptprotagonisten Arnold und der Nebenprotagonistin Ragna. Letztere hat ihre Rolle im Buch wohl auch nur deshalb bekommen, damit Börner verklemmte Beschreibungen ihres »imposanten Busens« geben kann. Während also nur zaghaft Promiskuität durch das Raumschiff weht (das tatsächlich auf den Namen »Wotan« getauft wird), darf sich Arnold noch ein wenig mit dem Bengel-Präsidenten Russlands rumschlagen und ihm per Videokonferenz ein paar mächtig coole Einzeiler um die Ohren hauen. Als Gegenleistung unterstützen die Russen das Vorhaben, auch wenn nicht ganz klar ist, wozu sie genau gebraucht werden.</p>
<p>Der Flug der Rakete zum Ziel zieht sich auf über hundert Seiten derartig in die Länge, dass selbst eine Kaugummi-Metapher nicht den Kern des Problems trifft. Auf jeden Fall darf die Besatzung nicht nur einen interstellaren sondern auch einen Selbstfindungstrip machen und sich – wie bereits erwähnt – zu glühenden Faschisten wandeln. Nur Ragna wird zum Psycho-Wrack, auch wenn das dem Leser leider nicht weitere lüsterne Beschreibungen ihres Körpers seitens des Autors erspart. Ach ja, der bedrohliche Himmelskörper, der Richtung Erde düst, entpuppt sich natürlich – und damit enden auch die »Armageddon«-Parallelen – als gelenktes Projektil einer bösen Alienrasse, deren geplante Vernichtung nun einstudiert wird. Der <span style="text-decoration: line-through;">Führer</span> Kapitän von Stetten stellt sich, ebenso wie Arnold und Baldo (mal ehrlich: Baldo? Nennt man seine Hunde nicht so?) als spirituell begabt heraus und das Raumschiff lässt sich mit Gedankenkraft steuern. Arnold macht die vor dem Videoschirm versammelten Regierungschefs der Erdstaaten zur Sau, von Stetten stirbt durch Alienwaffen, Arnold übernimmt das Kommando, wird visionär, stoppt die Aliens und bietet ihnen Frieden an und macht sich auf den Weg zurück zur Erde, um von Ragna angehimmelt zu werden und das Dritte Reich wiederzubeleben. Aber nein, nicht das Dritte Reich, stattdessen eine Erde unter seiner spirituell-faschistischen Führung. Rührige Musik beginnt zu spielen, der Abspann rollt durchs Bild und als Leser erwacht man langsam aus dem Dämmerschlaf und fragt sich, ob sich das ganze Buch tatsächlich so bierernst nimmt, wie es den Anschein hat.</p>
<p>Nicht eine einzige Spur von Selbstironie lässt sich auf den 370 (!) Seiten finden, das einzige was zuhauf vorhanden ist, sind derbe Fehler in der Rechtschreibung (Highlight: der »Mopp« aus Menschen), Zeichensetzung (alle Fragezeichen, die Börner hatte, stecken bereits im Klappentext) und Grammatik (das mit Genitiv und Dativ ist aber auch verflixt schwer). Zudem steht Börner scheinbar derart über den Dingen, dass er den Gebrauch von Kommata nicht mehr nötig hat. Genauso gerät das Setzen von Anführungs- und Ausführungszeichen bei ihm zum Glücksspiel.</p>
<p>Warum habe ich mich dann trotzdem durch dieses Machwerk gekämpft? Ganz einfach: es ist in seiner Art brüllend komisch. Wer unterirdische Science-Fiction mit plumper Nazi-Propaganda vermischt, das Ganze aber als hochintellektuellen Diskurs über menschliche Ideologien tarnen will und Dialoge schreibt, die so selten dämlich sind, dass selbst Wolfgang Hohlbein sich schämen würde, der verdient es als brillianter Komiker gelesen zu werden.<br />
Jetzt muss sich nur noch Ed Wood aus seinem Grab erheben, um eine Filmadaption in Angriff zu nehmen.</p>
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		<title>Ostblog? Abgebloggt? Blogwork Orange?</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Sep 2010 16:16:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter" title="Blogediblog" src="http://www.kellermensch.de/wp-content/uploads/neuer_blog.jpg" alt="" width="600" height="150" />Mir würden vermutlich noch stundenlang derartig dämliche Wortspiele einfallen, aber stattdessen heißt das Ganze hier einfach »kellermensch.de« und damit jeder sofort weiß, was hier Sache ist, steht auch gleich daneben, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe (und ohne Ketchup oder Salz). Um ebenfalls klarzustellen, dass hier pseudo-intellektueller Schwachsinn mit vollem Einsatz meines überdimensionierten Egos abgeladen wird, ziert nicht nur ein Möchtegern-Emo-Foto den Header sondern auch ein prätentiöses Zitat aus einem gleichnamigen »Okkervil River«-Song.</p>
<p>Leider unterstützt WordPress auch in seiner dritten Iteration keine Sarkasmus- und Ironie-Tags, sodass ich mich jetzt schweigsam zurückziehe und sage: Viel Spaß beim Lesen, wer auch immer sich das hier freiwillig antut.</p>
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